Ja, das waren noch Zeiten, als man auf Schreibmaschinen seine Werke erstellen musste..., am besten noch ohne jegliche Korrekturmöglichkeiten, außer dem Tipex. Ich lernte das ab 1984 in der Hauptschule am Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg. Wir alle hassten dieses Fach, so wie wir Keines gehasst hatten, und dementsprechende Noten hatten wir dann auch. Damals sahen wir halt noch nicht, wie lebensnotwendig uns diese Fähigkeit einmal werden sollte, und auch nicht, wie wichtig dafür das 10-Finger-System ist... Wie soll man tippen, wenn man nicht mal weiß, wo welcher Buchstabe ist?... So schlugen wir uns halt durch diese lehrreichen Stunden, bevor dann 1987 die ersten Computer kamen. aber nein, nicht für die Textverarbeitung :-(.
Ich durfte dem Computer schon früher gegenübertreten, als meine Klassenkameraden, nämlich während meines Schulbesuches an der Overbrook School for the Blind - Philadelphia, Pennsylvania 1986/1987. Dort durfte ich das erste Mal erleben, was es heißt, fehlerfreie Texte zu schreiben - ein wundersam erhebendes Erlebnis. Das System bestand aus einem Apple-Rechner, damals nur mit Diskettenlaufwerken und einer Sprachausgabe, die über ein Programm angesteuert wurde. Alles war damals noch in Basic programmiert, und auch Das durfte ich während meines USA-Aufenthaltes erlernen.
Als ich dann wieder glücklich daheim angelangt war, hatte ich die Sprachausgabe schon im Gepäck, und mein erster eigener Computer ließ nicht mehr lange auf sich warten. Noch ein Drucker dazu, und endlich konnte ich, zwar erst ein Jahr später, meine Entschuldigungen selber schreiben... ;-) Mit diesem System arbeitete ich daheim bis Ende 1993.
Während ich im Ausland war, bekam auch der Rest der Klasse die Chance, sich mit dem PC anzufreunden - damals noch unter dem guten, alten DOS. Allerdings habe ich im Nachhinein, was die Schulzeit nach dem Jahr in den USA betrifft, eigentlich nicht die Welt gelernt. Wie auch, wenn es zwar Lehrer hierfür gab, die aber nur selten anwesend waren oder sich selbst, teils auch während der eigentlichen Stunden, erst das nötige Wissen aneignen mussten... :-(. Naja, für ein paar Grundkenntnisse in Word, DOS und Basic hat's schon gereicht, aber alles in allem war es mir doch zu wenig, verglichen zu dem, was ich in den USA gelernt hatte.
Einen Vorteil hatten die PCs in der Schule: Wir hatten keine Sprachausgaben, sondern Braillezeilen. Mittels Hard- oder Software wird hierauf eine Bildschirmzeile in der Brailleschrift dargestellt. Mit den Tasten der Braillezeile kann man sich dann zeilenweise auf dem Bildschirm bewegen, bzw. beim Schreiben wird der Cursor mitverfolgt. Das war wirklich der einzige Vorteil der Schulcomputer, wenn man sie, wie gesagt, auch nutzen durfte.
Als ich dann 1992 in das Berufsleben überwechselte, bekam ich einen Rechner mit Braillezeile. Ich arbeitete unter DOS 5.0 mit F&A, einem Datenbankprogramm. Das war eine sehr lehrreiche zeit für mich, auch, wenn mir das eigentlich nicht erlaubt war und mir viele Schwierigkeiten einbrachte, denn trotz allem war dies die Zeit, in der ich mir sehr viel an Grundwissen über DOS, und darüber, wie es funktioniert, aneignete.
1994 kam dann das nächste System, das ebenfalls noch unter DOS lief. Es war notwendig geworden, da wir eine neue Telekommunikationsanlage bekamen, die ich als Blinder dann endlich richtig gut nutzen konnte, da der Rechner mit Braillezeile sozusagen die Schnittstelle zwischen mir und der TK-Anlage bildete. Das war mit der alten TK-Anlage nicht möglich.
Heute arbeite ich beruflich unter WINNt, mit wieder einem neueren Modell einer TK-Anlage.
Ende 1993 stieg ich dann von meinem guten, alten Freund, dem Apple-PC, um auf einen "normalen" Rechner, der DOS 6.20 sein Eigen nennen durfte. Dazu gab's wieder eine Sprachausgabe und einen Scanner mit Texterkennungssoftware. So konnte ich nun endlich meine Post selber lesen. Das war wichtig, da ich zu diesem Zeitpunkt schon alleine wohnte. Endlich musste ich niemanden mehr fragen: "Liest Du mir das bitte mal vor?". Klar, nicht alles konnte ich lesen, aber immerhin das Meiste.
1994 gab's dann noch eine Braillezeile dazu, die das ganze natürlich noch viel komfortabler machte.
Ende 1995 wagte ich mich an C. Ich besuchte einen Kurs des Bildungszentrums (Volkshochschule) der Stadt Nürnberg. Wie das möglich war? Eigentlich ganz einfach: Ich nahm meine Sprachausgabe mit, installierte diese auf dem dortigen PC, und mit dem Dozenten hatte ich mich vorher abgesprochen. So klappte die Sache doch recht gut, auch wenn es für mich viel Nachbearbeitung daheim bedeutete. Allerdings programmiere ich heute nicht mehr in C, und über das erste Semester des Anfängerkurses kam ich nicht hinaus. Zuerst kam mangels Interessenten kein Kurs mehr zusammen, und danach verlor ich irgendwie das Interesse daran...
1996 ließ ich dann meinen Rechner aufrüsten. Neben einem schnelleren Prozessor und einer größeren Festplatte verpasste ich meinem PC noch ein CD-ROM-Laufwerk und ein MoDem. So konnte ich nun endlich auch in Mailboxen gehen und hatte Zugriff auf Telefon-Auskunfts-CDs und andere Werke.
Das tuckerte dann so vor sich hin bis Mitte 1999. Dann war es endlich soweit, und ich überwand meine Bedenken dem Internet gegenüber. Seitdem gehöre auch ich zu den Surfern und denen, die das Medium E-Mail zu schätzen wissen. Zum Surfen verwendete ich Lynx für DOS, und zum Mailen Yarn und UKA_PPP. Letzteres benötigte ich, damit ich überhaupt Mails holen und versenden konnte.
Ende 1999 kam dann der Umstieg von DOS auf Windows 98 SE, denn DOS war für mich einfach keine Alternative mehr... . Auch hier hatte ich starke Bedenken, die sich aber glücklicherweise zerstreut haben. Mittlerweile nutze ich seit mitte Februar 2003 Windows XP Home.
Leider war meine alte Braillezeile unter Windows nicht mehr zu verwenden. Also wieder zurück zur Sprachausgabe, bis ich ab März 2001 eine neue Braillezeile nutzen konnte, und immer noch kann.Das Programm JAWS (Job Access With Speech) for Windows ermöglicht mir das relativ problemlose Arbeiten unter den Windows Betriebssystemen. Es ist zwar nicht jedes Programm bedienbar, aber die MS-Mainstream-Programme funktionieren prächtig, und natürlich auch noch viele Andere. Bei Letzteren ist zwar oft eine Anpassung nötig, aber immerhin: es funktioniert. Bestes Beispiel ist The Bat!, dass mich in Sachen Mail viel mehr begeistert, als das automatisch vorinstallierte, aufgezwungene 'Konkurrenzprodukt' von Microsoft...
Und so bin ich seit dem Jahre 2005 dann doch zumindest ansatzweise wieder zur C-Programmierung zurückgekehrt, denn seither habe ich bis Ende Mai 2010 für die JfW Skripte für The Bat! verantwortlich gezeichnet.
In den letzten paar Jahren habe ich mich auch noch mit PHP beschäftigt und meine Web-Projekte entsprechend programmiert.
Seit Ende des Jahres 2007 kenne ich nun auch Windows Vista, was anfänglich doch gewöhnungsbedürftig war, aber doch erstaunlich gut mit JAWS für Windows zusammenspielt.