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Seite ca. Sa, 2010-03-13, 11:52:39 +0100 CET aufgerufen

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Kooperation Behinderter im Internet (KOBI)

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Vorstellung

Ich bin Horst Göttler. Wer auf meiner Startseite aufmerksam gelesen hat, weiß bereits, dass ich blind bin. Als ich jedoch vor 39 Jahren in Gerolzhofen geboren wurde, konnte ich ganz normal sehen. Eine Pyocyaneusinfektion im Gerolzhofener Krankenhaus nahm mir jedoch mein Augenlicht. Wir konnten nie in Erfahrung bringen, was oder wer nun die tatsächliche Infektionsquelle war oder wie es überhaupt dazu kommen konnte. Im Internet ist Pyocyaneus auch als häufiger Hospitalismuskeim bezeichnet. Also ist Unhygiene als ein Grund wohl nicht so ganz falsch.

Man kann sich leicht vorstellen, wie hart das für meine Eltern war. Nach eineinviertel Jahren musste mein linkes Auge operativ entfernt werden (Kuhauge). Dies war nötig geworden, da es sonst hätte platzen können. So ist das Linke seitdem ein Glasauge.

Natürlich wurde noch versucht, zu retten, was zu retten war, mit dem Erfolg, dass ich auf dem rechten Auge zumindest noch hell und dunkel sowie Farben sah. Dies wurde durch eine Hornhauttransplantation erreicht. Im Alter von 10 Jahren verlor ich aber auch diesen Sehrest. Die Hautschichten des Auges waren verwachsen. Damals hätte man vielleicht noch etwas dagegen unternehmen können, aber ich erzählte Niemanden davon, da ich es in meinem kindlichen Denken als eine Strafe für etwas ansah, was ich zu meinem Vater sagte...

Nachdem wir alle dieses harte Stück Leben bewältigt hatten, musste es, und ging es natürlich auch weiter. So wurden wir von der Frühförderung, zuerst der Blindenschule Würzburg und kurz darauf des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg, betreut. Durch deren Unterstützung erlernte ich so manche Grundkenntnisse, die sich "Normale" natürlich mit Hilfe der Augen aneignen können. Meine Eltern lernten so aus Videoaufnahmen, warum ich mich wie verhielt und warum ich was tat. Die Unterstützung durch die Frühförderung war sehr wichtig. Sie hat meinen Eltern geholfen, mich auf dem Weg zu einem selbständigen Menschen zu fördern und zu begleiten.

Nun wird's eigentlich relativ normal. Ich besuchte ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr die Vorschule des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg, und dort wurde ich dann auch mit sechs Jahren eingeschult. Wie Sehende nun die Schwarzschrift erlernen, wurde mir hier die Brailleschrift - auch Blinden- oder Punktschrift genannt - beigebracht. Dadurch war es mir möglich, wie jedem Anderen eigentlich auch, zu lesen und zu schreiben. Da war ich also nun und durchlief hier die Grund- und Hauptschule.

Das Highlight meiner Schullaufbahn kam in der neunten Klasse: Auf grund meiner sehr guten Englischnoten verhalf mir mein damaliger Englischlehrer zu einem Jahr USA-Aufenthalt. Ich besuchte dort die Overbrook School for the Blind - Philadelphia, Pennsylvania. Es waren zwar nicht nur Schöne, sondern auch viele sehr schmerzhafte Momente dabei (nein, kein Heimweh), aber die Erfahrungen, und das, was ich dort lernte, hätte ich vermutlich sonst nicht mit auf den Weg bekommen...

Nach meiner Rückkehr bestand ich, ohne die zehnte Klasse zu durchlaufen, den Qualifizierenden Hauptschulabschluss. Es folgten drei Jahre an der Berufsfachschule für Wirtschaft des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg. Im Rahmen dieser Ausbildung absolvierte ich auch Die zum Betriebstelefonisten sowie zum Steno- und Phonotypisten. Meine Schullaufbahn abschließend streckte ich mich noch nach der Fachschulreife, die ich auch erreichte.

Heute arbeite ich in der Stadtverwaltung Nürnberg als Telefonist, und das schon seit 1992. Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit Freunden und natürlich auch zu zweit, vor dem Rechner sitzend und internettend, mal ganz Faul und alleine oder Torball spielend oder 'wie ein Fisch im Wasser' schwimmend. Wenn ich es mal schaffe, faul zu sein, höre ich dabei sehr gerne Musik oder vergnüge mich mit den Schlümpfen im Schlumpfenland, John Sinclair oder sonstigen Hörbüchern und -spielen. Von den Hobbys wie Klavier spielen oder Amateurfunk ist mangels Interesse nichts mehr übrig geblieben.

Eines muss ich zum Abschluss aber doch noch los werden:
Ich selbst betrachte mich nicht als behindert. Gut, ich bin blind und dadurch bedingt abhängig, aber leben kann ich sehr gut. Ich führe meinen Haushalt mittlerweile nicht mehr alleine, sondern zu zweit mit meiner ebenfalls blinden Frau, habe einen Beruf, komme alleine zu Fuß dahin (immerhin ein Weg von 25 Minuten bei normalem Tempo, dass ich ohne probleme alleine und in Begleitung gehen kann) und komme sehr gut mit Allem klar. Auch, wenn die Meisten meinen, ein Leben ohne Augenlicht wäre nicht vorstellbar oder lebenswert: ich für meinen Teil lebe sehr gut, und mich klein kriegen... Das soll erst mal Jemand versuchen.

Letzte Aktualisierung: So, 2009-01-25, 10:28:45 Uhr; Besucher seit dem 2003-08-30: 3901, heute 3, diese Woche 9, diesen Monat 15 und dieses Jahr 139. Seitenanfang